Stellungnahme der Anglikanischen Arbeitsgemeinschaft in Deutschland zu den jüngsten Wahlergebnissen in Sachsen-Anhalt (Übersetzung)
Am 18. Und 19. September in Hamburg trafen sich die Mitgliedskirchen der Anglikanischen
Arbeitsgemeinschaft, um zu besprechen, wie Migranten und Flüchtlinge in unserer Gesellschaft mit
zunehmender Angst und sogar Feindseligkeit konfrontiert sind und wie wir als internationale
Gemeinden darauf reagieren können und sollten. Als diese Veranstaltung vor einem Jahr geplant
wurde, konnten wir nicht wissen, wie aktuell dieses Thema sein wird.
Der Wahlsieg der AfD bei den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt ist für die
anglikanischen/episkopalen Kirchen in Deutschland von großer Bedeutung. Unsere Gemeinden
bestehen überwiegend aus Menschen, die aus aller Welt nach Deutschland gezogen sind. Einige sind
gekommen, um bei ihren Familien zu sein, einige wurden von ihren Unternehmen hierher entsandt,
einige, um Arbeit zu finden, einige zum Studieren, und einige als Geflüchteten. Sie machen die
Mehrheit unserer Mitglieder aus, daher macht es uns Sorgen und sogar Angst, wenn eine Partei, die
Ausländer als Problem zu lösen sieht, so viele Stimmen erhält. Als Christen glauben wir, dass alle
Menschen nach Gottes Ebenbild geschaffen sind und einen angestammten Wert besitzen. Eine Politik,
die darauf abzielt, Gruppen aufgrund ihrer Herkunft, ihres Status, ihrer Religion oder Behinderung zu
diskriminieren, ist einfach nicht mit der Botschaft des Evangeliums vereinbar.
Aus diesem Grund stehen wir besonders solidarisch mit Migranten, Flüchtlingen, religiösen
Minderheiten und allen, die nun das Gefühl haben, dass ihre Zugehörigkeit, Sicherheit oder Würde
infrage gestellt wird. Wahlerfolg kann niemals Rassismus, Fremdenfeindlichkeit, Sexismus,
Homophobie oder Transphobie legitimieren, oder den dadurch verursachten Ausschluss eines
Menschen aus dem gemeinsamen gesellschaftlichen Leben. Wir rufen daher unsere
Kirchengemeinden und alle Menschen guten Willens dazu auf, der Politik der Angst zu widerstehen,
demokratische Institutionen zu verteidigen und Gemeinschaften zu schaffen, in denen jeder Mensch
als Nächster nach dem Ebenbild Gottes anerkannt wird.
Gemeinsam mit den anderen Kirchen in Deutschland werden wir daher die Lage in Sachsen-Anhalt
aus der Perspektive des Evangeliums kritisch beobachten und begleiten. Wir bleiben offen für den
Dialog und akzeptieren, dass es unterschiedliche politische Meinungen zu r Frage der Einwanderung
und der Grenzsicherung gibt, aber wir sind als Christen verpflichtet, uns immer dann zu äußern,
wenn die Menschenwürde verletzt oder die Rechtsstaatlichkeit untergraben wird. Wir werden
weiterhin zum Zusammenhalt der Gesellschaft beitragen, zu der wir nun gehören, sei es als Gäste auf
Zeit, Aufenthaltsberechtige oder Bürger/innen. Wir werden unsere Arbeit mit Migranten und
Geflüchteten fortsetzen.
Vor über vierzig Jahren entwickelte die Anglikanische Gemeinschaft die Fünf Kennzeichen der
Mission. Zwei sind besonders relevant für die aktuelle Lage:
- Menschlichen Nöten mit liebevollem Dienst begegnen
- Ungerechte Gesellschaftsstrukturen verändern, Gewalt jeglicher Art bekämpfen und Frieden
sowie Versöhnung anstreben.
Diese Kennzeichen werden weiterhin unser Leben und unsere Arbeit leiten.
Der Vorstand für die Anglikanische Arbeitsgemeinschaft in Deutschland
Hamburg, 19. September 2026
